 ElternratgeberWas ist, wenn mein Kind ...?Der aktuelle Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung zeigt: fast jeder zehnte Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren weist einen riskanten Alkoholkonsum auf. So wurden über 23.000 minderjährige „Komasäufer" 2007 mit einem Vollrausch ins Krankenhaus eingeliefert. Besonders erschreckend ist die Entwicklung bei den erst 10- bis 15-Jährigen, denn obwohl diese nach dem Jugendschutzgesetz noch gar keinen Alkohol kaufen (und konsumieren) dürften, sind hier die Alkoholvergiftungen um 15 Prozent angestiegen!
Diese Zahlen machen deutlich, wie wichtig präventive Maßnahmen sind, um Kinder und Jugendliche insbesondere besser vor alkoholbedingten Gesundheitsschäden und Suchtgefahren zu schützen. Gerade hier muss nachhaltige Aufklärungsarbeit einer Bagatellisierung der Folgen des riskanten, schädlichen und abhängigen Alkoholkonsums entgegen wirken und eine kritische Reflexion des eigenen Alkoholkonsums bei Jugendlichen fördern.
Besonders Eltern kennen das Gefühl von Unsicherheit und Hilflosigkeit, wenn ihr Kind (zuviel) Alkohol trinkt. Was können Eltern tun? Aktiv werden - so früh wie möglich!Gehen Sie mit gutem Beispiel voran! Eltern sollten das, was sie von ihren Kindern erwarten, auch selbst so gut es geht vorleben und das beginnt schon im Kleinkindalter. Kinder lernen am elterlichen Beispiel unter anderem auch den Umgang mit Alkohol, Nikotin etc. Aus diesem Grund sollte Alkohol auch von Eltern nur gelegentlich und nicht als Problemlöser gebraucht werden sowie nicht vor den Kindern geraucht werden.
Die beste Methode vor allem exzessiven Alkoholkonsum bei Jugendlichen zu verhindern, ist Vorbeugung. Damit eine Vorsorge erfolgreich ist, muss sie möglichst früh beginnen. Ein Patentrezept gegen den missbräuchlichen Konsum von Alkohol und auch illegalen Suchtstoffen gibt es natürlich nicht. Aber, wenn verschiedene Punkte beachtet werden, können Kinder und Jugendliche besser geschützt werden. Dazu haben wir hier die folgenden Informationen zusammengestellt:
- Was sind erste Warnsignale, die darauf hindeuten, dass Ihr Kind gefährdet sein könnte?
- Wir zeigen beispielhaft, wie man mit seinen Kindern über Alkohol(-konsum) sprechen kann?
- Wie können Schutzfaktoren gestärkt werden? Sieben Empfehlungen für Eltern.
- Wir nennen Adressen, wo Eltern darüber hinaus fachlichen Rat und Hilfe finden.
Erste Warnsignale bei KindernLange bevor sich bei Kindern und Jugendlichen missbräuchliche Konsummuster entwickeln, lassen sich bestimmte Warnsignale oder Hinweise erkennen. Diese Warnsignale weisen in vielen Fällen auf seelische Probleme hin. Gerade für Eltern ist es nicht immer ganz einfach, diese Zeichen richtig zu deuten. So sollten Eltern bei ersten Anzeichen einer der hier geschilderten Verhaltensweisen nicht gleich in Panik geraten. Die meisten lassen sich irgendwann einmal bei jedem Kind beobachten. Aber Gefahr besteht dann, wenn diese Anzeichen stark und andauernd auftreten.
Seelische Störungen können viele Ursachen haben. Die Anzeichen für seelische Probleme können vielerlei bedeuten. Daher sind auch Ärzte und Psychologen in ihren Aussagen eher vorsichtig und zurückhaltend. Falls sie zu einer Behandlung raten, sollte man das auch ernst nehmen.
Anzeichen, die bei kleineren Kindern bis etwa sechs Jahre auf seelische Probleme und ein damit verbundenes erhöhtes Risiko hinweisen können, sind: - wenn Kinder sich auffällig von anderen zurückziehen und absondern und vor allem oder vielem Angst haben,
- wenn sie übermäßig zappelig, fahrig und überdreht wirken und sich nicht konzentrieren können,
- wenn sie nicht mehr aus ihren Phantasie- und Traumwelten zurück in die Wirklichkeit kommen möchten,
- wenn sie gegen andere Kinder ohne vorherigen Anlass gewalttätig werden, Dinge mit Absicht beschädigen, dauernd stören und lärmen, sich nirgends einfügen wollen und können.
Mit dem Eintritt in die Schule und dem Beginn der Pubertät verändert sich oft auch das Verhalten der Jugendlichen. Anzeichen für ein möglicherweise vorhandenes Risikoverhalten sind in dieser Altersgruppe z. B.: - wenn Jugendliche sich dauernd langweilen, für nichts interessieren, passiv herumhängen und es nicht gelingt, die Kinder für eigene Interessen zu gewinnen,
- wenn sie sich nicht entschließen können, aktiv gegen diesen Zustand anzugehen oder ihre Versuche erfolglos bleiben,
- wenn sie übertrieben unsicher, unselbständig, stressanfällig und entscheidungsschwach sind und keine Freunde haben,
- wenn Jugendliche typische alkoholbedingte Symptome wie Augenringe, „Kater"-Beschwerden und Erbrechen zeigen.
Mit Kindern frühzeitig über Alkohol aber auch Drogen sprechenDie beschriebenen Anzeichen können z. B. ein Hinweis auf einen missbräuchlichen Alkoholkonsum und damit im weiteren Verlauf ein erhöhtes Suchtrisiko sein. Oft werden Alkohol und illegale Drogen für Eltern erst zum Thema, wenn ihre Kinder diese bereits konsumieren. Eltern sprechen besser frühzeitig mit Kindern und fragen nach ihren Einstellungen und informieren sie altersgemäß zu Alkohol und Drogen.
Suchen Sie eine geeignete Gesprächssituation! Gehen Sie das Thema möglichst in einer entspannten Atmosphäre an, wenn alle Beteiligten genügend Zeit haben. Günstig wäre ein Aufhänger, etwa ein Bericht aus der Tagespresse oder dem Fernsehen, ein Ereignis in der Schule oder natürlich auch, wenn das Kind von sich aus Fragen stellt.
Machen Sie sich kundig! Oft wissen Jugendliche besser über Drogen Bescheid als ihre Eltern. Nur wenn Sie selbst gut informiert sind, können Sie mit Ihrem Kind richtig diskutieren, es warnen und Ratschläge geben. Merkt Ihr Kind, dass Sie alles durcheinander bringen oder unhaltbare Horrorszenarien heraufbeschwören, dann wird es Sie nicht ernst nehmen und ist dadurch noch leichter zum Drogenkonsum zu verführen.
Seien Sie freundlich und liebevoll! Verzichten Sie möglichst auf Vorwürfe, Drohungen und Tadel. Jugendliche lassen sich dadurch keineswegs von Drogen abhalten. Es kann sogar zu einer Trotzreaktion kommen. Im schlimmsten Fall ziehen sich Jugendliche ganz zurück und Eltern können nicht mehr zu ihnen vordringen. Trotzdem sollten Sie immer bei Ihren Gefühlen bleiben. Zeigen Sie aber statt Zorn über die Meinung des Kindes zu Drogen eher Ihre Besorgnis. Signalisieren Sie Ihrem Kind, dass Sie sich für seine Probleme interessieren.
Lassen Sie sich nicht provozieren! Versuchen Sie bei allen Gesprächen gelassen zu bleiben und lassen Sie sich nicht zu Streitereien provozieren. Zeigen Sie aber auch Ihre Betroffenheit. Im Notfall brechen Sie das Gespräch besser ab, bevor es eskaliert und setzen es ein andermal fort.
Setzen Sie Grenzen und vereinbaren Sie Regeln! Es ist wichtig, dass Eltern ihren Kindern deutlich machen, was sie für richtig und was für falsch halten. Sie sollten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass Verbote bezüglich Drogen bei Jugendlichen nur mit massivem Druck durchgesetzt werden können. Statt Zwang auszuüben, empfiehlt es sich, gemeinsam Regeln zu vereinbaren und nach Lösungen zu suchen.
Zeigen Sie allgemeines Interesse! Jugendliche erzählen nicht mehr so bereitwillig wie Kinder von dem, was sie bewegt. Vielleicht würden sie es gerne tun, haben aber das Gefühl, die Eltern verstehen ihre Welt nicht mehr und erkundigen sich nur nach ganz bestimmten Dingen, wie schulische Leistungen oder Drogen. Wenn Sie dagegen ein allgemeines Interesse an der Lebenswelt Ihres Kindes zeigen, ist die Chance größer, dass Sie auch etwas über Drogenkontakte erfahren. Sieben Empfehlungen zur Vorbeugung gegen Sucht:So verschieden, wie Kinder und ihre Eltern sind, so unterschiedlich ist auch der persönliche Erziehungsstil. Den können und wollen wir natürlich niemandem vorschreiben. Denn eine vernünftige, natürliche Erziehung versucht auf die Persönlichkeit des Kindes einzugehen. Und die ist letzten Endes immer einzigartig. "Erfolgreich" ist eine Erziehung immer dann, wenn sie es schafft, sich auf die besondere Persönlichkeit des Kindes einzulassen und die Entfaltung dieser Persönlichkeit mit Herz und Verstand zu begleiten. Das Ziel von Erziehung ist ein Erwachsener, der lebenstüchtig, selbständig und seelisch ausgeglichen ist.
Wir haben Ihnen hier sieben grundsätzliche Empfehlungen zur Förderung von Schutzfaktoren gegen Sucht und Suchtverhalten formuliert. Wo Sie Rat und Hilfe findenLange Zeit hatten viele Eltern Hemmungen, über ihre Schwierigkeiten mit Kindern zu reden. Inzwischen ist das zum Glück anders: Die Eltern sprechen freier miteinander, wenn es um Erziehungsprobleme geht. Und sie nehmen auch immer öfter Rat und Hilfe von Beratungsstellen in Anspruch.
Sucht ist eine Krankheit, die in jeder Familie auftreten kann. Es kann jeden treffen und das unabhängig von Alter, Ausbildung, Beruf und gesellschaftlichem Ansehen. Es ist also keine Schande und hat auch nichts mit persönlichem Versagen zu tun, wenn man für sich und sein Kind Hilfe in Anspruch nimmt, weder bei der Suchtvorsorge noch bei der Suchttherapie. |  | |  |