Keine Macht den Drogen - Aktiv gegen Sucht und Gewalt
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Vom Konsum zur Sucht

Unser Konsumverhalten wird oft von unbewussten Mechanismen bestimmt. Wie bei einem Computer muss nur der richtige Knopf gedrückt werden und schon läuft das Programm ab.

Oft wird Sucht auch als Sehnsucht interpretiert. Sucht ist demnach ein Verlangen nach Befriedigung ureigenster Bedürfnisse, wie zum Beispiel Harmonie, Liebe, Geborgenheit und Körperkontakt.

Der Konsummechanismus

Beobachtet man ein einjähriges Kind bei seinen ersten Gehversuchen, kann man sehen, wie stolz es ist, wenn ihm die ersten freien Schritte gelingen. Häufig macht ein Kleinkind dann den Fehler, dass es sich zu den Eltern umschaut, während es weiterläuft. Dann fällt es vielleicht hin und fängt aus Schmerz, Scham und Hilflosigkeit an zu weinen. In diesem Moment hat der kleine Mensch ein eindeutiges und klares Bedürfnis: Schutz, Trost und Geborgenheit. Die Eltern müssen dann zu ihrem Kind hingehen, es hochheben, beruhigen und streicheln und ihm das Gefühl von Geborgenheit und Schutz geben. Wenn den Eltern das gelingt, entspannt sich das Kind, hört auf zu weinen und strampelt sich frei, um einen neuen Gehversuch zu starten.

Neuere Untersuchungen belegen, dass viele Eltern weniger Zeit für ihre Kinder haben als noch vor 20 bis 30 Jahren. Untersuchungen belegen allerdings auch, dass nicht die Quantität des Eltern-Kind-Kontaktes für die psychische Entwicklung ausschlaggebend ist, sondern die Qualität. Der Mangel an Zeit kann aber dazu führen, dass wir nicht jedes Bedürfnis des Kindes im oben beschriebenen Sinne befriedigen können. Also muss ein Ersatz her.

Dieser Ersatz ist häufig die erste von Kindern konsumierte „Droge": Zucker. Zucker wird vom Körper sehr schnell in Blutzucker umgesetzt. Der Konsum von Zucker führt zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Dieser erhöhte Blutzuckerwert regt die Endorphinproduktion an und wirkt anregend auf das Serotonin-System. Das führt zu einem kleinen Rausch. Für Erwachsene, die mit Zucker in vielen unterschiedlichen Speisen täglich Umgang haben, ist dieser Zuckerrausch nicht sehr intensiv. Für ein Kleinkind jedoch ist der Zuckerrausch sicherlich deutlich zu spüren.

Wer also nicht die Zeit hat, das Bedürfnis des Kleinkindes nach Schutz, Trost und Geborgenheit jedes Mal zu befriedigen, hat nun die Chance, ihm beispielsweise etwas Süßes zu geben, wenn es auf dem Boden liegt und weint. Innerhalb von wenigen Minuten kommt es zu einer Stimmungsaufhellung beim kleinen Kind, es hat einen leichten Zuckerrausch. Das Kind ist zwar beruhigt, aber sein eigentliches Bedürfnis ist in keiner Weise befriedigt. Das ist Konsum. Das Kind lernt dabei:

  1. Es gibt für das wahre Bedürfnis einen Ersatz.
  2. Wenn Papa, Mama oder sonst eine Respektsperson mir diesen Ersatz reicht, so ist dieser für mich in Ordnung und richtig.
  3. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich Ersatz bekomme, ist höher als die Wahrscheinlichkeit, dass ich Trost, Schutz und Geborgenheit bekomme.

Nun weiß man aus der Lernforschung mit Tieren, zum Beispiel Ratten im Labyrinth, dass Lernen auch dann stattfindet, wenn nicht jedes Mal eine Belohnung erfolgt, sondern nur jedes dritte und vierte Mal. Das heißt, das Kind wird psychisch keinen Schaden erleiden, wenn das Bedürfnis nicht jedes Mal befriedigt wird, sondern nur jedes vierte oder fünfte Mal. Allerdings lernt es, zu konsumieren. Immer wenn es ein Bedürfnis hat, das nicht befriedigt worden ist, wird es versuchen, auf Konsum auszuweichen. Wir alle haben dieses Konsumieren schon selbst als Kind in unseren Familien gelernt. In manchen Familien spielt das Prinzip „Konsum statt Zuwendung" eine große und in anderen Familien eine kleine Rolle.

Nun gibt es allerdings Bedürfnisse, die auf Dauer nicht unbefriedigt bleiben sollten, da sich daraus bedrohliche Konsequenzen für den Menschen entwickeln können. Wenn das Bedürfnis nach Liebe, Anerkennung und Geborgenheit über Monate und Jahre nicht befriedigt wird, erkrankt der Mensch in der Regel daran. Ob das eine körperliche oder eine psychische Erkrankung ist, oder ob es zu Ersatzbefriedigung durch Konsum führt, ist dabei von der Person und ihrer Situation abhängig.

Der Suchtmechanismus

Eine Sucht entwickelt sich also nicht aufgrund der „dämonischen Kraft" einer Substanz, sondern ist Resultat einer bestimmten Lebensführung. Hat ein Mensch „gelernt", problematische Lebenssituationen nur mithilfe des Konsums unterschiedlicher Substanzen (zum Beispiel Alkohol) zu verbessern oder kann er einen Zustand des Wohlbefindens nur über den Konsum eines (Sucht-) Mittels erlangen, führt dies über einen längeren Zeitraum zu abhängigem Verhalten, zu einer Sucht. Dieses ausweichende Verhalten läuft dann mechanisch und manchmal scheinbar ohne bewusste Beteiligung des Betroffenen ab. In diesem vollautomatischen Ablauf zeigt sich der sogenannte Suchtmechanismus. Wie bei einem Uhrwerk, das aufgezogen wird und auf Knopfdruck zu spielen beginnt (frustrierende Lebenssituation) endet die Handlung erst, wenn das Uhrwerk abgelaufen ist und das Bedürfnis befriedigt wurde (vermeintlicher Entspannungszustand zum Beispiel nach Alkoholkonsum).

Wenn man unsere Hirnfunktionen mit einem gut funktionierenden Computer vergleicht, so wären Suchtmechanismen Programme, die unterhalb der bewussten Wahrnehmung ablaufen und unser Handeln bestimmen, ohne dass dies durch eine bewusste Steuerung erfolgen muss. Auch die Werbung kennt diese Mechanismen sehr gut und versucht immer wieder diese Knöpfe zu finden.

Suchtpräventive Maßnahmen können den Einzelnen dabei unterstützen, das eigene Konsumverhalten zu erkennen. Wenn bei einem Menschen ein Suchtmechanismus oder ein Suchtunterprogramm installiert ist, so gibt es eine gute Möglichkeit, das unbewusste Handeln bewusst zu kontrollieren: durch freiwillige Einschränkung des Konsums. Wenn sich ein Nikotinabhängiger erlaubt, während der Arbeitszeit in seinem Büro zu rauchen, so ist er in Gefahr, dass jeder, der ihn ärgert, langweilt oder sonst wie frustriert, dazu veranlasst, spontan und schnell und ohne bewusste Kontrolle eine Zigarette hervorzuholen und anzuzünden. Wenn er sich das Rauchen im Büro verbietet und deshalb extra ein Raucherzimmer aufsuchen muss oder das Rauchen auf bestimmte Tageszeiten beschränkt, so wird er zwar mehrmals den Impuls zum Rauchen verspüren, diesem jedoch nicht unbewusst nachgeben. Wenn er den Impuls verspürt, muss er sich entscheiden: Entweder ich lasse alles stehen und liegen und gehe in das nächste Raucherzimmer oder ich rauche später, weil mir das, was ich gerade tue, zu wichtig ist oder ich „so schön im Arbeiten drin bin".

Die Erfahrung der meisten Raucher bestätigt, dass sie erheblich weniger rauchen, wenn sie sich wie oben beschrieben verhalten. Mit einem solchen einfachen Trick wird aus der unbewussten eine bewusste Handlung -der Suchtmechanismus wird ausgehebelt. So ist ein weit reichendes Rauchverbot, wie es jetzt bundesweit eingeführt wurde eine sehr sinnvolle und wirksame Maßnahme, sowohl für die Gesundheit der Nichtraucher, als auch für die der Raucher.

Wenn der Betreffende sein eigenes Konsumverhalten richtig beurteilen kann, lernt er damit umzugehen und die dahinter liegenden Bedürfnisse entsprechend zu befriedigen. Von daher ist es wichtig, in einem ersten Schritt zu lernen, sich selbst beim Konsumieren zuzuschauen. Sich die Frage zu stellen, warum konsumiere ich im Moment dieses Produkt, was für ein unbewusstes Bedürfnis könnte dahinter stehen. Durch kritische Selbstbeobachtung seiner Konsummuster kann jeder Einzelne von uns, zu einem bewussten Umgang mit Konsumgütern gelangen. Im Vordergrund steht dabei nicht das Vermeiden problematischer Konsummuster, sondern das bessere Kennenlernen der eigenen Bedürfnisse. Kenne ich meine Bedürfnisse erst einmal und kann sie formulieren, wird eine Ersatzbefriedigung oftmals überflüssig.

In einem zweiten Schritt kann ich mein Konsumverhalten dann insgesamt gesünder und selbstgesteuerter gestalten. Natürlich wird diese Selbstbeobachtung in Stress- und Frustrationszeiten häufig wieder eingestellt. Über Monate und Jahre hinweg führt diese kritische Selbstbeobachtung aber zum Erfolg. Das Schwierige dabei ist, die Selbstbeobachtung immer wieder aufzugreifen, wenn man erneut in unbewusste Konsummuster übergegangen ist.

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