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Weitere stoffungebundene Süchte

Neben Medienabhängigkeit und Essstörungen gibt es zahlreiche weitere nicht stoffgebundene Süchte und Abhängigkeiten: Kaufsucht, Spielsucht, Arbeitssucht, Sexsucht und Sportsucht.

Kaufsucht

Die Kaufsucht ist eine eher unauffällige Sucht, die selbst nahen Verwandten und Freunden lange verborgen bleibt.

Was versteht man unter Kaufsucht?

Kaufsucht, die sogenannte Oniomanie ist das zwanghafte Erwerben von diversen Konsumgütern oder auch Dienstleistungen. Da es sich hierbei meistens um das Kompensieren anderer Defizite handelt, tritt das Phänomen der Kaufsucht immer nur phasenweise auf. Wenn z. B. der Kaufsüchtige sich geärgert hat, eine schlechte Erfahrung gemacht hat, frustriert oder depressiv ist, versucht er mit schönen Einkäufen diese negativen Erlebnisse zu verdrängen. Es handelt sich um eine stoffungebundene Sucht, doch die Merkmale des süchtigen Verhaltens ähneln durchaus denen der stoffgebundenen Süchte wie Alkohol- oder Cannabiskonsum. Interessanterweise geht es bei dem suchtgetriebenen Käufen nicht um die gekauften Waren. Diese spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Oftmals werden bestellte Artikel erst gar nicht ausgepackt, anprobiert oder benutzt. Bei der Kaufsucht geht es um den Akt des Kaufens selbst, in ein Geschäft zu gehen oder in einem Katalog zu blättern und dann „zuzuschlagen".
Der Kaufzwang führt zur Abhängigkeit und letztendlich zum Verlust der Selbstbestimmung. Eine Dosissteigerung ist ebenfalls erkennbar, da Kaufsüchtige immer öfter und immer mehr kaufen müssen. Auch Entzugserscheinungen können auftreten, die sich in Form von Nervosität, Depression, Schlafstörung etc. bemerkbar machen. Beim Kaufsüchtigen kann das Kaufen der bevorzugten Artikel euphorische Glücksgefühle auslösen. Die betroffene Person verschafft sich durch den Kaufrausch Befriedigung und eine gewisse Form der Beruhigung.

Wer ist besonders anfällig für die Kaufsucht?

Im Prinzip sind alle Altersgruppen, Einkommensklassen und Bildungsschichten von dieser Sucht betroffen, egal ob Männer oder Frauen. Während kaufsüchtige Frauen eher Kleidung, Schmuck und Schuhe bevorzugen, interessieren sich Männer mehr für technische Geräte. Allerdings lässt sich feststellen, dass die Kaufsucht doch eine eher weibliche Sucht darstellt. Man geht davon aus, dass 80 Prozent der Kaufsüchtigen, Frauen sind, darunter sehr viele Singles, die ihre Einsamkeit auf diese Art und Weise zu kompensieren versuchen. Ein wesentlicher Grund für den hohen Frauenanteil ist auch, dass das tägliche Einkaufen immer noch eine Tätigkeit ist, für die weitgehend die Frauen zuständig sind. Auch entspricht es dem weiblichen Verhalten, Probleme durch eine „unauffällige" Sucht wie die Kaufsucht zu lösen. Das kennen wir auch von der Medikamentensucht, die überwiegend Frauen betrifft.

Die Folgen von Kaufsucht

Wenn das eigene Budget dramatisch überschritten wird, kommt es bei Kaufsüchtigen zu ernsthaften Problemen innerhalb des sozialen Umfelds. Der Kaufsüchtige muss immer mehr Energie aufwenden, damit sein Partner, seine Kinder, Verwandte und Freunde nicht merken, dass er/sie kaufsüchtig ist. Diese Anstrengungen bedeuten ein immenses, ständig anwachsendes Stresspotenzial für den Süchtigen.

Die Abwärtsspirale dreht sich immer weiter nach unten. Irgendwann reicht das eigene Geld nicht mehr aus, es droht Überschuldung und Pfändung. Dann werden nahestehende Personen bestohlen und deren Geld ausgegeben. Manchmal wird das Geld auch durch Betrug und Unterschlagung beschafft. Diese Umstände führen zu erheblichen Depressionen, Schamgefühl und schlechtem Gewissen. Da die Verzweiflung irgendwann nicht mehr durch maßloses Einkaufen kompensiert werden kann, gibt es sogar Fälle von Selbstmord.

Spielsucht

Spielsüchtige hören nicht auf zu spielen, bis der Geldbeutel leer ist.

Was versteht man unter Spielsucht?

Zunächst einmal ist der Vorgang des Spielens die ursprünglichste und legitimste Tätigkeit im menschlichen Leben. Spielen bringt Kindern nicht nur Spaß und Zufriedenheit, sondern vermittelt ihnen zahlreiche Lerninhalte und soziale Kompetenzen wie Rücksicht, Fairness, Kommunikationsfähigkeit und Freundschaft.
Auch Erwachsene spielen gerne, allerdings häufig nicht um des Spielens willen oder wegen der sozialen Komponente, sondern um aus dem Spiel materiellen Profit zu ziehen. Bei sogenannten Glücksspielen versuchen sie ihren Einsatz zu vervielfachen. Auch wenn regelmäßige Spieler häufig schon einmal kleinere oder mittelgroße Beträge gewonnen haben, so gewinnt in der Regel am Ende immer die Spielbank, der Automatenbesitzer oder die Lotterie.
Der entscheidende Schritt vom regelmäßigen Spieler zum Spielsüchtigen vollzieht sich dann, wenn der Spieler keine Grenzen mehr wahrnimmt. Nachdem er sein eigenes Vermögen verspielt hat, leiht er sich Geld bei Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten. Wenn diese irgendwann den Süchtigen nicht mehr finanziell unterstützen, wird er sie beklauen. Er ist davon überzeugt, beim nächsten Spiel zu gewinnen, um das geliehene bzw. gestohlene Geld wieder zurückzahlen zu können. Das ist natürlich in der Praxis nicht der Fall.

Typische Eigenschaften von Spielsüchtigen

Bei Spielsüchtigen lässt sich eine irrationale Wahrnehmung des eigenen Ichs feststellen. Daher leiden Spieler häufig an Selbstüberschätzung bis hin zum Größenwahn. Sie wollen immer mehr darstellen als sie eigentlich sind. Psychologische Untersuchungen von unterschiedlichen Spielernaturen kommen auch zu dem Schluss, dass Spieler emotional oberflächlich, egoistisch, unreif, unsicher, stimmungslabil und kontaktgestört sind.

Was sind die Folgen der Spielsucht?

Nachdem der Spielsüchtige sein Hab und Gut verspielt hat, tief verschuldet ist und durch Diebstahl, Veruntreuung, Unterschlagung, Betrug, Urkundenfälschung und Einbruch straffällig geworden ist, steht er vor dem finanziellen und persönlichen Ruin. Er hat alles verloren, was man verlieren kann: Familie, Freunde, Beruf. Er befindet sich in einem Teufelskreis, dem er durch immer intensiveres Spielen zu entkommen versucht, um das verspielte Geld zurückzugewinnen. Genau das Gegenteil tritt jedoch ein. Die Abwärtsspirale dreht sich immer weiter nach unten. Es besteht Suizidgefahr.
Der Spielsüchtige kann der Abhängigkeit nur mit therapeutischer Hilfe entkommen. In vielen Fällen ist ein Verbraucherinsolvenzverfahren nötig, um seine Schulden langfristig in den Griff zu bekommen.

Arbeitssucht – Workaholism

Ein Arbeitssüchtiger - der Traum eines jeden Chefs? Eher nicht, denn Arbeitssüchtige leiden unter Erschöpfung und bringen oft keine gute Leistung. Von der Arbeitssucht sind vorwiegend Männer betroffen.

Was versteht man unter Arbeitssucht?

Die Anonymen Arbeitssüchtigen (AAS) definieren Arbeitssucht als einen zwanghaften Umgang mit Arbeit. Hierbei lassen sich drei unterschiedliche Typen unterscheiden:

  • Der zwanghafte Arbeitssüchtige, der Workaholic, der als erster in der Arbeit ist und als letzter geht, der immer im Stress ist und es immer eilig hat, egal wie wichtig oder unwichtig eine zu erledigende Arbeit ist. Die Dosis muss wie bei einem Alkoholsüchtigen immer gesteigert werden, sodass die Phasen des Nicht-Arbeitens immer kürzer werden.
  • Im Gegensatz zu einem zwanghaften Arbeitssüchtigen fällt der unauffällige Arbeitssüchtige erst dann auf, wenn er eine bestimmte Arbeit erledigen muss und dadurch in Stress gerät. Er bekommt dann einen Arbeitsanfall, der erst dann wieder abklingt, wenn die Arbeit vollständig erledigt ist. Während dieses „Anfalls" verliert der unauffällige Arbeitssüchtige jegliches Zeit- und Orientierungsgefühl. Dieses wirkt sich dann bald sehr negativ auf seine körperliche Leistungsfähigkeit auswirkt. Auch das gegenteilige Verhalten, die Vermeidung und das Aufschieben von anstehender Arbeit aus Angst vor Misserfolg und Scheitern bezeichnet man als Arbeitssucht.
  • Der chronisch Arbeitsunlustige versucht die Arbeit zu vermeiden, indem er sie immer weiter aufschiebt. Dadurch stellen sich bei ihm Schuldgefühle ein, die ihn immens unter Druck setzen und führen ab einem bestimmten Zeitpunkt zu kompletter Handlungsunfähigkeit.

Was sind die Folgen von Arbeitssucht?

Alle Arbeitssüchtigen haben gemeinsam, dass ihre Gedanken ausschließlich um das Arbeiten kreisen und sie unfähig sind, sich zu entspannen. Ein solches Verhalten hat schwerwiegende soziale wie auch gesundheitliche Folgen. Soziale Kontakte zum familiären Umfeld, zu Freunden und zum Partner werden immer mehr vernachlässigt und sind ab einem bestimmten Stadium der Sucht praktisch nicht mehr vorhanden. Der Arbeitssüchtige vereinsamt zunehmend.
Besonders gravierend sind jedoch die gesundheitlichen Schäden, da der Arbeitssüchtige seinem Körper keinerlei Ruhepausen mehr gönnt und ständig „unter Strom" steht. Er leidet zunehmend an erheblichen Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Erschöpfungszuständen sowie Kopfschmerzen, Magenbeschwerden und Herz-Kreislaufstörungen. Sehr häufig greifen Arbeitssüchtige zu Medikamenten, insbesondere zu Schlafmitteln, Aufputschmitteln und Alkohol, um all diese negativen körperlichen Auswirkungen der Arbeitssucht zu lindern.

Sexsucht

Sexsucht - gibt es so etwas wirklich? Nicht alle Sexsüchtigen haben permanent Sex. Manche verbringen auch nur extrem viel Zeit mit pornographischem Material - bevorzugt auch im Internet.

Was versteht man unter Sexsucht?

Die Sexsucht funktioniert ähnlich wie andere nicht stoffgebundene Süchte. Wie auch bei der Spielsucht finden im Gehirn biochemische Prozesse der Erregung statt, die den Süchtigen stimulieren. Die Botenstoffe, die beim Sex und beim Orgasmus im Gehirn freigesetzt werden, ähneln denen von Amphetaminen und erzeugen einen Zustand intensiver Erregung.
Sexuell süchtiges Verhalten ist gekennzeichnet durch eine immer steigende sexuelle Betätigung, bei der die Befriedigung und der gewünschte Erfolg jedoch meist ausbleiben. Dabei geht es dem Süchtigen nicht um Liebe, sondern ausschließlich um den Geschlechtsakt.
Bei zunehmender Abhängigkeit wird es für den Sexsüchtigen immer schwieriger, neue Sexualpartner zu finden. Diese wachsende „Beschaffungsproblematik", welche für den Süchtigen zu einer immer größeren Belastung wird, ist mit den Methoden illegaler Drogenbeschaffung vergleichbar.

Die Folgen von Sexsucht

  • Dosissteigerung: Der Lebensalltag des Sexsüchtigen besteht irgendwann nur noch aus Sexualkontakten, sexuellen Fantasien sowie ständiger Selbstbefriedigung.
  • Sozialer Abstieg: Vernachlässigung und Zerstörung des sozialen Umfelds (Freunde, Familie, Arbeitsplatz) durch Lügen und Täuschungsmanöver sowie finanzielle Schwierigkeiten aufgrund von erhöhten Ausgaben (z. B. für Prostituierte).
  • Zunehmende Risikobereitschaft: Hohe gesundheitliche Risiken durch Geschlechtskrankheiten und Rücksichtslosigkeit in Bezug auf andere Geschlechtspartner.
  • Ausweglosigkeit: Der ständige Wunsch aufzuhören („Das war jetzt das letzte Mal!"), welcher nicht in Erfüllung geht. Dies löst Stress und Verlustängste aus und fördert wiederum die Abhängigkeit.

Sportsucht

Während sich die meisten Menschen eher zu wenig bewegen, treiben Sportsüchtige täglich mehrere Stunden Sport - oft bis zur totalen Erschöpfung. Exzessives Joggen ist typisch für Sportsüchtige.

Was versteht man unter Sportsucht?

Unter Sportsucht versteht man das intensive Verlangen nach übermäßiger körperlicher Bewegung und Betätigung ohne Wettkampfambitionen. Der Sportsüchtige ist besessen von dem Gedanken trainieren zu müssen, d. h. zu joggen, Fahrrad zu fahren oder Gewichte zu stemmen. Wenn der Sportsüchtige nicht ausreichend Sport treibt, kann es wie bei einer Droge zu Entzugserscheinungen kommen, da der Körper nach immer größeren Mengen an Glückshormonen wie Dopamin und Endorphin verlangt.
Der Zusammenhang zwischen der Endorphinmenge im Blut und der Abhängigkeit von einem exzessiven Bewegungsdrang ist in der Sportwissenschaft jedoch umstritten. Manche Wissenschaftler sind der Meinung, dass die Sportsucht eher ein Ausweichverhalten darstellt, um von den eigentlichen persönlichen Problemen abzulenken.
D. h., der Sportler konzentriert sich bei intensiver körperlicher Anstrengung nur noch auf den Sport und vergisst für eine bestimmte Zeit all seine Sorgen und Nöte. In der Sportwissenschaft wird immer mehr die Meinung vertreten, dass eine reine Sportsucht extrem selten ist. In den meisten Fällen handelt es sich um Magersucht (Anorexie) und Ess-Brechsucht (Bulimie). Anstatt zu hungern oder die aufgenommene Nahrung zu erbrechen, werden die Kalorien einfach abtrainiert. Man unterscheidet daher zwischen primärer und sekundärer Sportsucht. Bei der primären Sportsucht will der Sportler lediglich seine Leistung verbessern. Die sekundäre Sportsucht definiert sich als Sport-Bulimie (Bulimia athletica) und Sport-Magersucht (Anorexia athletica).

Was sind die Folgen von Sportsucht?

Die Auswirkungen der Sportsucht sind vielfältig. Die übermäßige körperliche Betätigung kann zu einer schweren Schädigung des Körpers führen. Wenn die Ermüdungssignale des Körpers von dem Süchtigen nicht mehr wahrgenommen werden, kommt es zu einer nachhaltigen Schädigung von Knochen, Bändern und Sehnen. Psychische Symptome sind Unruhe, Unausgeglichenheit und Stress. Bei der sekundären Sportsucht kommt der starke Gewichtsverlust hinzu und die daraus resultierenden bleibenden organischen Schäden.
Neben den körperlichen Auswirkungen nimmt auch das soziale Leben des Süchtigen erheblichen Schaden. Da der Süchtige neben seiner Arbeit viel Zeit mit Sport verbringt, bleibt wenig Freizeit für seinen Partner, seine Freunde und seine Familie. Eine zunehmende Isolation und Vereinsamung sind die Folgen.

Damit muss man rechnen

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