Medienabhängigkeit

Über Medienabhängigkeit

Viele Bereiche des Lebens, wie Bankgeschäfte, Einkaufen, Partnersuche und Kommunikation finden heutzutage selbstverständlich online statt. Die meisten Menschen können mit Computer, Handy und Internet selbstbestimmt umgehen. Ein kleiner Teil der Nutzer entwickelt allerdings psychische Auffälligkeiten, wobei Jugendliche und junge Erwachsene besonders gefährdet sind.

Aber Achtung: Wer seine ganze Freizeit vor dem Computer, Fernseher oder der Spielkonsole verbringt, hat zunächst erst einmal ein gestörtes Freizeitverhalten, was noch keine Sucht ist.

Ab wann spricht man von Medienabhängigkeit/Mediensucht?

In der ICD-10, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebenen wird und weltweit das wichtigste Klassifikationssystem für Krankheiten darstellt, fällt Internetsucht noch unter die Restkategorie F.63 “Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle“.

Die ICD-11 soll im Mai 2019 durch die  Weltgesundheitsversammlung verabschiedet werden und am 1. Januar 2022 in Kraft treten. Über den Zeitpunkt einer möglichen Einführung der ICD-11 in Deutschland sind noch keine Aussagen möglich. Computerspielsucht wird in der ICD-11 als Abhängigkeitserkrankung anerkannt und – wie pathologisches Glücksspiel – den Verhaltenssüchten zugeordnet.

Das revidierte DSM-5 (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen, fünfte Auflage), das von der American Psychiatric Association herausgegeben wird, beinhaltet „Internet Gaming Disorder“ als Forschungsdiagnose. Dazu müssen fünf der folgenden Kriterien über 12 Monate erfüllt sein:

  • andauernde Beschäftigung mit Internet- bzw. Online-Spielen
  • Entzugssymptome, wenn das Online-Spielen nicht zur Verfügung steht
  • Toleranzentwicklung mit dem Bedürfnis, zunehmend Zeit für Online-Spiele aufzubringen
  • erfolglose Versuche, die Teilnahme am Online-Spielen zu beenden
  • Verlust des Interesses an früheren Hobbies oder Aktivitäten als Folge des Online-Spielens
  • andauerndes exzessives Online-Spielen trotz des Wissens um die psychosozialen Probleme
  • Täuschen von Familienmitgliedern, Therapeuten oder anderen Personen in Bezug auf das wirkliche Ausmaß des Online-Spielens
  • Gebrauch der Online-Spiele, um aus negativen Emotionen (wie z. B. Gefühle von Hilflosigkeit, Schuld oder Ängstlichkeit) herauszukommen oder um diese zu lindern
  • Gefährdung oder Verlust von wichtigen Bekanntschaften, Beruf, Ausbildung oder Karriere-Möglichkeiten wegen des Online-Spielens

Zahlen und Fakten

  • 12- bis 17-Jährige nutzen Computerspiele und das Internet durchschnittlich rund 22 Stunden und 18-bis 25-Jährige durchschnittlich rund 21 Stunden pro Woche. (BZgA 2017)
  • Bei 5,8 % der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen und bei 2,8 % der 18-bis 25-jährigen jungen Erwachsenen ist von einer computerspiel- oder internetbezogenen Störung auszugehen. (BZgA 2017)
  • In der Altersgruppe der 12- bis 25-Jährigen sind 5,7 Prozent von einer Computerspielabhängigkeit betroffen. (DAK 2017)