Sucht

Definition Sucht

Das Wort Sucht hat etymologisch mit dem Wort suchen nichts zu tun, sondern kommt von siechen, also an einer Krankheit leiden. Sucht und Abhängigkeit werden synonym verwendet.

„Sucht ist ein unabweisbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung der Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen des Individuums."
(K. Wanke (1985): Süchtiges Verhalten. In: Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (Hrsg.): S. 20)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Sucht folgendermaßen:

Nach der Definition im ICD-10, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebenen wird, sollte die Diagnose Abhängigkeit nur gestellt werden, wenn mindestens drei der folgenden Kriterien während des letzten Jahres vorhanden waren:

  1. Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang zu konsumieren.
  2. Verminderte Kontrollfähigkeit in Bezug auf den Beginn, die Beendigung oder die Menge des Konsums.
  3. Ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums.
  4. Nachweis einer Toleranz, im Sinne von erhöhten Dosen, die erforderlich sind, um die ursprüngliche durch niedrigere Dosen erreichte Wirkung hervorzurufen.
  5. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zugunsten des Konsums sowie ein erhöhter Zeitaufwand, um zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen.
  6. Anhaltender Konsum trotz des Nachweises eindeutig schädlicher Folgen.

Vom Genuss zur Abhängigkeit

Vor einer Abhängigkeit gibt es viele einzelne Schritte und Übergänge:

  • Unter Gebrauch wird die sinnvolle Anwendung von Suchtmitteln verstanden, z. B. medizinische Indikationen.
  • Als Genuss wird definiert, wenn das Mittel zwar nicht benötigt wird, bei Gebrauch aber als angenehm empfunden wird.
  • Der Missbrauch ist gekennzeichnet durch eine schädliche Verwendung quantitativer oder qualitativer Art, z. B. Flatrate-Trinken, Alkohol im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz.
  • Als Gewöhnung wird die physische und/oder psychische Bindung an ein Suchtmittel bezeichnet, d. h., man braucht sein Bier oder seine Zigarette zur Beruhigung.
  • Aus der Gewöhnung folgt dann meistens als fließender Übergang der Schritt in die Abhängigkeit.

Der Betroffene bemerkt den Schritt in die Abhängigkeit selbst oft gar nicht so bewusst. Sehr schnell kann durch "Lernen am Erfolg" aus einem erstmaligen Gebrauch eine Gewöhnung oder schlimmstenfalls eine Abhängigkeit entstehen.

Stoffgebunde und stoffungebundene Süchte

Bei stoffgebundenen Süchten (Alkohol, Nikotin, Cannabis, ...) gibt es eine süchtig machende Substanz, die auf das Gehirn in einer bestimmten Art und Weise (z. B. beruhigend oder stimulierend) einwirkt.

Bei stoffungebundenen Süchten (Spielsucht, Kaufsucht, ...) handelt es sich um Verhaltensweisen, die zwanghaft ausgeführt werden. Es entstehen im Gehirn dabei ähnliche Belohnungseffekte wie bei der Einnahme von stoffgebundenen Drogen.

Bei beiden Suchtformen besteht eine psychische Abhängigkeit, d. h. ein unabwendbarer Zwang, etwas wider besseren Wissens zu tun. Der Entzug kann zu Unwohlsein, Nervosität, Aggressivität und Depression führen. Die psychische Abhängigkeit lässt sich nur in einer langwierigen Therapie überwinden.

Bei manchen stoffgebundenen Drogen gibt es eine physische Abhängigkeit nach dem süchtig machenden Stoff. Wird dieser nicht zugeführt, kommt es zu heftigen körperlichen Entzugserscheinungen wie Schwitzen, Übelkeit und Zittern. Die körperliche Abhängigkeit lässt sich in der Regel in relativ kurzer Zeit überwinden.