Keine Macht den Drogen - Aktiv gegen Sucht und Gewalt
Keine Macht den Drogen - Aktiv gegen Sucht und Gewalt

Rauscherleben

Rauscherlebnisse gehören zum Leben. Wir Menschen haben vier verschiedene Rauschmöglichkeiten.

Aufregen

Extreme Sportarten, Stress durch Termindruck, Glücksspiel und andere intensive Erfahrungen sind Situationen, bei denen im Körper Stresshormone (zum Beispiel Adrenalin) ausgeschüttet werden. Der Körper reagiert mit gesteigerter geistiger und körperlicher Aktivität auf die bedrohliche Situation (auch bekannt als Kampf- oder Fluchtsituation). Der Herzschlag und damit auch die Pulsfrequenz steigen. Der Mensch ist hellwach, aufmerksam und viele Muskeln werden aktiviert. Ist die angstauslösende Situation vorbei, steckt der Körper voller Stresshormone, die er eigentlich durch körperliche Aktivität abbauen müsste. Aber der Körper nutzt eine andere Möglichkeit, den Spannungszustand wieder abzubauen: Glücksgefühle.

Aufgrund des Zusammenhangs zwischen starken Angstgefühlen und anschließenden Glücksgefühlen werden extreme Sportarten wie Bungee-Jumping, Freeclimbing oder jede Form von Betätigungen, die mit großer körperlicher Anstrengung einhergehen und irgendwie lebensgefährlich sind, immer beliebter. Umgangssprachlich hat sich für diese Extremsportler auch der Begriff des „Adrenalin-Junkies" etabliert. Bei der Ausübung extremer sportlicher Aktivitäten kommt es zu einem verstärkten Adrenalinschub, der wiederum mit erhöhter Endorphin-Ausschüttung einhergeht. Endorphine haben zum einen schmerzlindernde Wirkung, zum anderen vermitteln sie ein Gefühl des Wohlbefindens. Als Belohnung nach überstandener Gefahr empfindet man ein mehr oder weniger tiefes und lang anhaltendes Glücksgefühl (Euphorie). Manche Extremsportler sprechen in diesem Zusammenhang von einer psychischen Abhängigkeit, sie sind regelrecht süchtig nach diesem Euphorie-Zustand, deswegen der Begriff „Adrenalin-Junkie".

Um ein zufriedenes Leben zu führen, muss es berauschende Situationen geben. Dazu ist es allerdings nicht nötig, sich in Situationen zu begeben, die gefährlich sind und die Gesundheit gefährden.

Jede angstauslösende Situation ist dazu geeignet:

  • Einen Vortrag halten.
  • Ein Bühnenauftritt.
  • Einem anderen Menschen seine Gefühle wie Liebe, Wut, Enttäuschung offenbaren.
  • Eine Gehaltserhöhung fordern.
  • In einer Gruppe, die mir wichtig ist, eine kontroverse Meinung zu vertreten.
  • Ein Fest organisieren.

Jeder Mensch hat seine individuellen Angstsituationen. Jede dieser Situationen hat Rauschpotenziale, aber nur wenn ich meine Gefühle dabei zulasse: Ich spüre meine Angst und die dabei auftretenden körperlichen Veränderungen: Ich bin nervös und zittrig und mein Atem geht stoßweise.
Aber wer gelernt hat, seine Angstreaktionen zuzulassen und die Situation dann erfolgreich meistert, kann nach deren Ende einen Rauschzustand erleben, der durch das Überwinden der Angst entsteht. Es ist ein positiver Rauschzustand der Euphorie (innerer Zufriedenheit). Wichtig ist hierbei: Dies geschieht durch unseren natürlichen Hirnstoffwechsel.

Drogen sind hierfür nicht nötig. Sie „imitieren" diese Reaktion im Gehirn nur und sorgen künstlich für das Erreichen des Rausches. Koffein, Amphetamine, Kokain sind die gebräuchlichsten Aufputscher. Gefährlich ist, dass Aufputschräusche durch Drogen nach einiger Zeit zu ausgeprägten Erschöpfungszuständen führen. Diese Erschöpfung fühlt sich für die Betroffenen wie eine Depression an. Hier geraten viele Menschen in den Teufelskreis, dass sie nach einer aufgeputschten, beglückenden Situation in tiefe Erschöpfung und Depressionen fallen, die sie dann wieder mit einer neuen Dosis Aufputschmittel bekämpfen müssen.

Man kennt diese Zusammenhänge beim Aufputschen mit der Alltagsdroge Koffein. Koffein führt zunächst zu einer deutlichen Steigerung der Wachheit, die dann aber nach einiger Zeit in eine noch größere Müdigkeit umkippt. Auch Menschen, die Energizer zu sich nehmen wie zum Beispiel Redbull, kennen das Phänomen, dass die künstlich erzeugte Wachheit und Euphorie irgendwann in eine umso tiefere Müdigkeit und Depression umschlägt.

Abregen

Hierzu gehören Entspannungszustände, die durch folgende Tätigkeiten entstehen können:

  • Meditation.
  • Kontemplation.
  • Bücher lesen.
  • Entspannende Musik hören.
  • Lange entspannende Spaziergänge.
  • In Aquarien schauen.
  • Ein Lagerfeuer beobachten.
  • Am Strand dem Wellenrauschen zuhören.

All diese Dinge versetzen uns in eine Stimmung der Ruhe und Entspannung, die zu einem rauschhaften Entrücken von der Realität führen.

Es ist sehr wichtig, dass wir Menschen diese Möglichkeiten haben, um uns aus dem anstrengenden Alltag zurückzuziehen. Meditationstechniken, autogenes Training und progressive Muskelentspannung sind Methoden, mit denen man diese Zustände bewusst herbeiführen kann. Es gibt Menschen, in deren Anwesenheit wir uns entspannen können, indem wir mit ihnen tiefe Gespräche führen oder mit ihnen Zeit verbringen.

Auch hier gibt es natürlich eine Reihe von Substanzen, die gebraucht beziehungsweise missbraucht werden können. Von Baldriantropfen über leichten Alkoholgenuss zu Schlaftabletten bis hin zu Opiaten reicht die Spannweite der Entspanner. Besonders bei Menschen, die starken Anspannungen oder schwierigen Lebenssituationen ausgesetzt sind, werden solche Entspanner als beglückend und euphorisierend empfunden. Aber die Gefühle der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins werden nur für eine kurze Zeit vergessen und nicht bewältigt. Die belastenden Situationen existieren nach wie vor, man flüchtet nur kurz auf eine Insel des glücksseligen Vergessens und will sie in seiner Hilflosigkeit immer wieder aufsuchen. So entsteht ein Suchtkreislauf.

Verwirrung

Bei extremen Schlafdefiziten, bei Hunger und bei starker Unterkühlung funktioniert der Hirnstoffwechsel nicht mehr reibungslos - Halluzinationen entstehen. Diese Halluzinationen können als Erfahrungen erlebt werden, in denen man seine Grenzen verlässt und über sich hinauswächst, oder als bedrohliche Verwirrung.

Bei intensiver Meditation, beim Beten über einen langen Zeitraum, vor allem in Kombination mit Fasten, können Halluzinationen als Visionen erlebt werden. Seit es Menschen gibt, experimentieren sie mit Rauschgiften. Es waren zunächst traditionelle Gifte, die im Fliegenpilz, im Fingerhut oder in vielen anderen Pflanzen enthalten sind, mithilfe derer man halluzinogene Erfahrungen machte.

Die bekanntesten halluzinogenen Substanzen sind LSD (Lysergsäurediäthylamid), aber auch das in letzter Zeit verstärkt genommene Ecstasy (XTC). Im Gegensatz zu den Visionen, die bei Meditation entstehen, können unter LSD Visionen entstehen, die für den Betroffenen so real wirken, dass sie ihn in Angst und Panik versetzen. Er hat dann einen Horrortrip.

Diese Visionen können das zentrale Nervensystem so durcheinander bringen, dass der Betroffene Monate oder Jahre braucht, bis er die Welt wieder so wie vorher erlebt. Es kann auch zu einer Psychose kommen, die lange Zeit behandelt werden muss.

Auch mit Meditationstechniken kann man seine Wahrnehmung verändern und sich in einen Rauschzustand versetzen, aber hier liegen auch Gefahren: Viele Anbieter von Meditationstechniken sind Sekten, deren ureigenes Interesse es ist, die Menschen in ihre Abhängigkeit zu bringen. Eine zu intensive Beschäftigung mit entsprechenden Inhalten kann zu einer Flucht vor der Realität werden und damit einer Bewältigung des Alltags im Wege stehen.

Abheben

Mit Flow (engl. fließen, rinnen, strömen) wird das Gefühl des völligen Aufgehens in einer Tätigkeit (Tätigkeitsrausch) bezeichnet. Die Flow-Theorie wurde von Mihály Csikszentmihályi entwickelt: „FLOW = Ordnung im Bewusstsein; optimaler Zustand innerer Erfahrung, bei dem Ordnung im Bewusstsein herrscht. Dies tritt ein, wenn psychische Energie - oder Aufmerksamkeit - für realistische Ziele verwendet wird und die Fähigkeiten den Handlungsmöglichkeiten entsprechen. Die Verfolgung eines Ziels bringt Ordnung ins Bewusstsein, weil man die Aufmerksamkeit auf die gegebene Aufgabe richten und zeitweise alles andere vergessen muss."

Am besten zeigt sich der Flow-Zustand beim Spielen von Kleinkindern: Man kann sie dabei beobachten, wie sie versuchen, mit Bauklötzen einen immer höheren Turm zu bauen. Stürzt er ein, fangen sie wieder von vorne an und dies - wenn man sie dabei nicht stört - stundenlang. Beim selbstvergessenen Spielen erleben sie einen kindlichen Flow, ihre ganze Aufmerksamkeit widmen sie dem Spiel mit den Bauklötzen.

Eine Flow-Erfahrung entsteht also, wenn wir uns sehr stark auf eine Handlung konzentrieren. Durch diese konzentrierte Aufmerksamkeit geraten wir in einen gefühlten Schwebezustand, der uns Raum und Zeit vergessen lässt und wir können uns wiederum stärker auf die Tätigkeit konzentrieren. Als Belohnung dafür gelingt das, was wir gerade machen, noch besser. Alles ist im Fluss und wir werden wie in einer Spirale immer höher in dieses Flow-Gefühl (Glücksgefühl) hinein gehoben.

Dies klingt zunächst ungewöhnlich, ist jedoch eine alltägliche Erfahrung. Wir wollen zum Beispiel vor dem Einschlafen noch 20 Minuten ein Buch lesen. Beim Lesen nimmt der spannende Verlauf der Geschichte unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Wir wollen unbedingt wissen, wie sie endet und vergessen alles um uns herum. So lesen wir statt 20 Minuten dann zwei Stunden und fragen uns am Ende, wo denn die Zeit geblieben ist. Wir haben einen Flow erlebt!

Der Flow ist der Rauschzustand, der von allen Naturräuschen die größte Bedeutung hat. Beim Computerspielen und Kartenspielen, beim Tanzen und Musizieren, beim Sport und bei der Arbeit können wir in einen Flow-Zustand geraten. Das Interessante an einem Flow ist, dass er nicht nur bei spannenden und attraktiven, sondern auch bei vermeintlich langweiligen Tätigkeiten entstehen kann. Und das Schöne daran: Flow-Erfahrungen können wir auch in den Beziehungen zu Familie, Partner, Freunden und Kindern erreichen.

Die wichtigsten Voraussetzungen für Flow-Erfahrungen sind Sich ein Gesamtziel zu setzen und so viele Unterziele, wie realistisch möglich sind,Methoden zur Messung des eigenen Fortschritts im Hinblick auf das gesetzte Ziel zu finden, sich auf das zu konzentrieren, was man tut und die mit der Tätigkeit verbundenen Herausforderungen immer feiner zu differenzieren, die notwendigen Fähigkeiten für die zur Verfügung stehenden Gelegenheiten zu entwickeln und die Messlatte höher zu setzen, wenn die Aktivität langweilig wird.

Natürlich hat der Flow auch seine Suchtgefahren. Die berauschende Tätigkeit kann, wenn sie sich nur auf einen Lebensbereich bezieht, missbraucht werden, um vor den Alltagsproblemen zu entfliehen. Der Rausch, der während einer befriedigenden Arbeit entsteht, kann zu einer Arbeitssucht führen, bei der alles andere in den Hintergrund tritt, Beziehungen nicht mehr gepflegt werden und das Familienleben nicht mehr stattfindet. Dies kann auch bei künstlerischen, kreativen Tätigkeiten passieren. Auch das ist eine Form der Arbeitssucht.

Soziales Umfeld und Erziehung: Lebenskompetenzen

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